Die Schwarzseher
- Daniel Weiss

- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Kennen Sie das Schwarz C-7 Bärenarsch? Oder C-9 Tunnel um Mitternacht, C-18 Kartoffelkeller, C-1.4 Stromausfall in Prag oder vielleicht C-23 Hinterm Universum links? Nein? Sollten Sie aber.
Denn wenn Sie jemals ein Logo gesetzt, einen Stoff ausgewählt, eine Oberfläche entworfen oder eine Fläche lackiert haben, dann haben Sie längst mit genau solchen Schwarztönen gearbeitet – nur ohne es zu wissen.
Schwarz ist nicht gleich Schwarz.
Das ist kein ästhetischer Satz. Das ist eine praktische Feststellung.
Die meisten merken es erst, wenn etwas nicht funktioniert. Wenn Schwarz plötzlich billig wirkt. Oder grau. Oder zu modisch. Oder technisch kalt. Schwarz ist selten neutral. Schwarz entscheidet mit. Immer.
Die Begriffe stammen von zwei Brüdern aus Tschechien: Olek und Marek Černý. Sie arbeiten seit Jahren an nichts anderem als Schwarz. Nicht als Farbe, sondern als Material, als Oberfläche, als Verhalten im Licht. Und sie haben etwas etabliert, das unter Designern und Herstellern zirkuliert, aber kaum jemand offiziell benennt: die Černý-Skala.
Eine Skala, nach der Schwarz nicht gemessen, sondern erlebt wird.
Olek Černý ist der ältere der beiden. Zehn Jahre. Er kommt aus dem Graphit. Seine Familie baut ihn seit Generationen ab, in einem winzigen Tagebau, betrieben mit zwei Cousins. Keine Förderbänder, keine Helme mit Logos, keine Effizienzversprechen. Handarbeit. Staub. Geduld. Graphit setzt sich fest – in Kleidung, in Haut, im Geruch des Raums. Wer dort arbeitet, trägt Schwarz nicht. Er nimmt es mit.
Marek Černý ist Designer. Er übersetzt, was sein Bruder aus der Erde holt. Nicht für Künstler, sondern für Menschen, die Entscheidungen treffen müssen. Modehäuser. Automobilhersteller. Technologieunternehmen. Marken, für die Schwarz keine Farbe ist, sondern Identität.
Die Černý-Skala beginnt weit oben, bei einem Schwarz, das intern „Kartoffelkeller“ heißt. Warm, stumpf, leicht feucht. Ein Schwarz, das trägt, ohne zu glänzen. Unaufgeregt. Alltagstauglich. Perfekt für Flächen, die nicht auffallen sollen – und genau deshalb funktionieren.
Darunter liegt „Tunnel um Mitternacht“. Ein Schwarz ohne Trost. Kühl. Gleichmäßig. Man weiß, dass irgendwo Licht sein müsste, sieht es aber nicht. Sehr beliebt bei Herstellern, die Ruhe wollen – und Kontrolle.
Noch tiefer: „Hinterm Universum links“. Ein präzises, beinahe technisches Schwarz. Kaum Emotion, viel Distanz. Hier wird nicht dekoriert, hier wird entschieden.
Ganz unten schließlich: „Bärenarsch“.Ein Schwarz, das Licht schluckt und nichts zurückgibt. Radikal. Zu viel für fast alles. Wer hier landet, will nicht gestalten, sondern auslöschen. Oder verschwinden lassen.
Die Namen klingen nach Witz.Sind aber erschreckend genau.
In den Räumen der Brüder stehen Kisten. Holz, Metall, alt. Beschriftet mit einem mechanischen Labeldrucker. Schwarze Buchstaben auf vergilbtem Papier. Chanel. Audi. Apple. Keine Logos. Keine Typografie. Nur Namen. Wie Zutaten.
Viele Designer kennen das Problem, aber nicht die Skala.
Viele Hersteller kennen die Skala, sprechen aber nicht darüber. Denn Schwarz ist kein Trend. Schwarz ist Konsequenz.
Seit wir die Černý-Skala kennen, sehen wir Schwarz anders. Alte Herdplatten in der Redaktion. Ein Smartphone. Ein Mantel. Ein Quadrat an der Wand. Immer dieselbe Frage: Welches Schwarz ist das eigentlich?
Schwarz ist nicht gleich Schwarz.
Und wer das behauptet, war noch nie in einem Bärenarsch.
DWHH.art ist das persönliche Kunstprojekt von Daniel Weiss – eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und AI. Alle Geschichten und Bilder sind Fiktionen – erschaffen mit künstlicher Intelligenz, erzählt mit menschlicher Vorstellungskraft. Für alle, die glauben, dass Schönheit denken darf.





























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