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Interview mit Studio VDR

  • Autorenbild: Daniel Weiss
    Daniel Weiss
  • 25. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Dez. 2025


The Cold Room ist ein Projekt von Studio VDR, einem Künstlerduo aus Den Haag, das bewusst zwischen Installation, Design und realem Verkaufsraum arbeitet. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss
The Cold Room ist ein Projekt von Studio VDR, einem Künstlerduo aus Den Haag, das bewusst zwischen Installation, Design und realem Verkaufsraum arbeitet. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss

Ein Gespräch mit Studio VDR


Euer Projekt wird häufig für eine Luxus-Schlachterei gehalten. War das Absicht?

Ja. Das war sogar entscheidend. Sobald klar ist, dass es sich um Kunst handelt, verändert sich der Blick. Dann wird distanziert, analysiert, eingeordnet. Uns interessierte der Moment davor. Der Augenblick, in dem jemand denkt: Das ist einfach ein sehr gut gemachter Laden.


Wann kippt dieser Moment?

Unterschiedlich. Manche merken es an den Verpackungen. Andere erst, wenn sie genauer hinschauen und verstehen, dass nichts hier gekauft werden kann. Und einige merken es erstaunlich lange nicht. Das ist vielleicht der interessanteste Teil.


Warum Fleisch?

Weil Fleisch eines der letzten Produkte ist, bei dem wir eine massive Diskrepanz zwischen realen Kosten und Verkaufspreis akzeptieren. Jeder weiß, dass etwas nicht stimmt – und trotzdem funktioniert das System. Fleisch ist billig, weil fast alle Folgekosten ausgelagert werden. In Böden, Gewässer, Infrastruktur. In die Zukunft.


The Cold Room zeigt Fleisch als Luxus. Ist das eine Forderung?

Nein. Es ist eher eine Verschiebung. Wenn man alle Kosten ehrlich einpreist – Wasser, Fläche, Futter, Emissionen, Abwasser – dann wäre Fleisch Luxus. Mehrere hundert Euro pro Kilogramm. Aber das ist keine Utopie, sondern eine Rechnung. Wir wollten zeigen, wie absurd normal es ist, dass wir das nicht tun.


Warum dann diese Boutique-Ästhetik?

Weil sie funktioniert. Luxusästhetik erzeugt Vertrauen. Sie neutralisiert Zweifel. In der Mode ist das seit Jahren sichtbar. Fast Fashion verkauft sich nicht, weil Menschen die Produktionsbedingungen nicht kennen, sondern weil sie sie ausblenden können. Die Oberfläche ist stark genug. Genau diese Logik wollten wir übertragen.


Viele Besucher sagen, der Raum fühle sich „zu normal“ an.

Das ist das größte Kompliment. Wir wollten keinen Schockraum bauen. Kein Schlachthaus. Keine Provokation. The Cold Room funktioniert, weil er sich nahtlos in bekannte Konsumräume einfügt. Er fragt nicht laut. Er steht einfach da.


Auf den Verpackungen finden sich viele Daten, aber keine Erklärung. Warum?

Weil Information nicht automatisch zu Haltung führt. Die Zahlen sind verfügbar. Man kann sie lesen. Oder ignorieren. Genau wie bei Kleidung. Pflegehinweise sind da – und trotzdem kaufen wir das Teil, wenn es gut aussieht.


Was wünscht ihr euch, dass Besucher mitnehmen?

Keine Erkenntnis. Kein schlechtes Gewissen. Vielleicht nur einen kurzen Moment der Irritation. Dieses leise Unbehagen, das erst später auftaucht. Auf dem Heimweg. Oder beim nächsten Einkauf.


Vakuumversiegeltes Fleischobjekt im Kältezustand. Oberfläche, Frost und Verpackung verweisen auf industrielle Distanz statt Genuss. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss
Vakuumversiegeltes Fleischobjekt im Kältezustand. Oberfläche, Frost und Verpackung verweisen auf industrielle Distanz statt Genuss. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss
Innenraum der Installation The Cold Room. Spiegelnde Kühlmodule, hängende Fleischkörper und steriles Licht inszenieren Fleisch als Ware — nicht als Nahrung. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss
Innenraum der Installation The Cold Room. Spiegelnde Kühlmodule, hängende Fleischkörper und steriles Licht inszenieren Fleisch als Ware — nicht als Nahrung. IMAGE: AI generated by Daniel Weiss

Warum ist kein echtes Fleisch Teil der Installation?

Weil echtes Fleisch alles verschieben würde. Es würde moralisch aufladen, schockieren, vielleicht sogar ablenken. Uns ging es nicht um Leid, sondern um dessen Abwesenheit.


Wie ist das gemeint?

Das System funktioniert genau deshalb, weil das Reale fehlt. Kein Geruch, keine Wärme, kein Tier – nur Produkt, Verpackung, Oberfläche. The Cold Room zeigt nicht Fleisch, sondern das, was übrig bleibt, wenn alles Unangenehme entfernt wurde.


Also eine bewusste Leerstelle?

Ja. Das Fehlen ist der Inhalt. Ohne echtes Fleisch bleibt nur die Struktur – und die ist schwerer auszuhalten. Man merkt, wie wenig es braucht, um etwas kaufbar zu machen.


Am Ende geht es weniger um Fleisch als um Konsum?

Fleisch ist das Material. Die Frage dahinter ist allgemeiner: Wie billig darf etwas sein, damit wir aufhören, darüber nachzudenken, was es wirklich kostet?





DWHH.art ist das persönliche Kunstprojekt von Daniel Weiss – eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und AI. Alle Geschichten und Bilder sind Fiktionen – erschaffen mit künstlicher Intelligenz, erzählt mit menschlicher Vorstellungskraft. Für alle, die glauben, dass Schönheit denken darf.


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